Ein langer Weg: Von der Soziologie zur Volkskunde
Ganz im Osten der Karl-Franzens-Universität, befindet sich das Institut für Soziologie. Sucht man von dort das Institut das räumlich am weitersten entfernt ist, findet man ganz im Westen das Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie.
Ich studiere seit vier Semestern Soziologie. Der erste wissenschaftliche Text den ich , in einer Veranstaltung die uns der Soziologie näher bringen sollte, lesen musste war Deep Play von Clifford Geertz, einem Ethnologen. Im vierten Semester hatte ich dann das erste mal Kontakt mit der Volkskunde: Die Lehrveranstaltung Qualitative Sozialforschung wurde von einer Kollegin aus dem Westen gehalten. Am Ende des Semesters interessierte sie sich für unser Soziologie Studium, da ihr Sohn darüber nachdachte, Soziologie zu studieren. Was machen wir im Osten da eigentlich?
Jetzt, Anfang dieses Semesters habe ich mich für zwei Kurse im Westen eingeschrieben. Ich hab die Veranstaltungen beim abgrasen sämtlicher Lehrveranstaltungen gefunden. Ich konnte sie laut ihrer Beschreibung nicht von Soziologie unterscheiden. Der erste Text, den ich im Westen lesen muss ist ein Text von Reiner Keller, einem Soziologen.
Uni Graz Online is the Law
In den letzten Tagen habe ich wieder viel Uni Graz Online zu tun gehabt. Dieses Computerprogramm, das wohl die Karl-Franzens-Universität stärker beeinflusst als alles andere. Ohne dieses Programm wäre ich wahrscheinlich nicht so weit in meinem Studium wie ich jetzt bin. Andererseits hätte ich ohne dieses Programm wohl schon ein paar Lehrveranstaltungen besuchen dürfen. Wir haben uns alle schon so an Uni Graz Online gewöhnt, dass es schon selbst verständlich ist Uni Graz Online zu fragen wenn man etwas über sein Studium wissen möchte. Von Lehrveranstaltungleiterinnen bekommt man die Antwort, dass es nicht möglich ist weil es das System, und meinen damit bezeichneter Weise Uni Graz Online, nicht zu lässt. Sekritären läuft die Angst über den Rücken wenn sie gewisse Klicks machen. Es könnte ja wieder alles zusammen hauen.
Eine Dritte Art von Gelegenheit bieten Unfälle, Defekte und Pannen: Plötzlich werden vollkommen stumme Zwischenglieder zu ausgewachsenen Mittlern; selbst Objekte, die eine Minute zuvor vollautomatisch, autonom und unabhängig von irgendwelchen menschlichen Handlungsträgern erschienen, sind plätlich umzingelt von sich hektisch bewegenden Menschen mit schwerem Gerät. (Latour 2010, S. 119)
Bei meiner letzten Prüfung ist so ein Defekt passiert. Nach dem ich mich über Uni Graz Online zur Prüfung angemeldet habe, zum Termin erschienen bin und den Fragebogen ausgeteilt bekomme fragt der Prüfer, ob wir alle noch im alten Studienplan sind. (Die Prüfung gibt es im neuen Studienplan nicht mehr, bzw. es gibt eine äquivalente Lehrveranstaltung, die jetzt eine Vorlesung mit Übung ist.) Solche Überprüfungen werden in der Regel von Uni Graz Online erledigt. Nach dem ich und ein Kollege angeben schon im neuen Studienplan zu sein, meint der Prüfer ich solle die Prüfung nicht schreiben, und meinen Zeit besser nutzen. Nach den Stunden die ich für die Prüfung investiert habe, scheint mir eine Stunde mehr keinen großen Unterschied zu machen. Ich schreibe die Prüfung. Nach der Prüfung kann mir weder der Prüfer noch der Curricularvorsitzenden sagen was passiert ist. (Er wird sich nächste Woche damit auseinander setzen.) Habe ich die Prüfung geschrieben? Uni Graz Online ist leise geworden. Ich finde nichts. Wo ist das mächtige Uni Graz Online hin? Ich habe ihm vertraut und Zeit in die Vorbereitung der Prüfung absolviert und zuversichtlich auf eine Anmeldung auf die entsprechende Lehrveranstaltung verzichtet. Ich forsche nach und finde Kollegen, bei denen der Defekt nicht passiert ist. Die Lehrveranstaltung wurde über Uni Graz Online, ganz normal angerechnet. Bei mir ist plötzlich nicht einmal mehr klar ob ich die Prüfung geschrieben habe.
Mein Prüfer hat sich getraut das System in Frage zu stellen. Plötzlich ist nicht mehr klar, was Uni Graz Online darf oder nicht. Mein Vertrauen in Uni Graz Online ist gebrochen. Falls euch Uni Graz Online irgendwo nicht rein lassen will. Vertraut ihm nicht! Es verlässt euch schneller als ihr denkt.
Eisbohren bis in den Tod
Im letzten Artikel habe ich begonnen den Weg der Requisiten auf ihren Platz zu untersuchen. Bei meinem Grübeln über den Weg musste ich oft an einen Eisbohrer denken. Einfach zu sagen warum dieser unrasierte Mann hier diesen Eisbohrer in der Hand hält ist nicht möglich. Aber wir können uns auf die Suche machen wer alles Schuld daran trägt, dass er hier diesen Eisbohrer in Händen hält.
Der Film in dem der Eisbohrer eine kleine, aber doch wichtige Rolle spielt, heißt “Bis in den Tod“. Ein 45 Min. Mystery-Spielfilm der vom ORF produziert worden ist. Die Geschichte erinnert an Kubricks Shining und spielt in einem eingeschneiten Kraftwerk. Um unseren Eisbohrer ein wenig besser kennen zu lernen Empfehle ich den Trailer auf Bernhard Semmelrocks Seite anzuschauen!
Unser Star hat zwei große Auftritte: einmal nimmt die Forscherin im Gletscher Eisproben auf der Suche nach dem Gletscherfloh und einmal bohrt ein durchgedrehter Techniker damit Löcher in Tische. Die ganze Geschichte spielt bei einem eingeschneiten Kraftwerk in Kärnten, einmal am nahen Gletscher und einmal im Kontrollraum des Kraftwerks.
Das erste mal wie ich dem Bohrer begegnete war im Drehbuch. Wir könnten jetzt hier Anfangen den Weg des Bohrers aufzuzeichnen aber wir könnten uns auch die Frage stellen warum ein Eisbohrer einen Auftritt in einem eingescheiten Kärtner Kraftwerk haben soll. Dieser Teil jetzt sind reine Vermutungen, ich habe mit den Autorinnen des Drehbuchs nie gesprochen. Aber es gibt für mich ein paar wahrscheinliche Gründe.
Die Autorinnen schrieben ihr Buch für eine ORF-Mystery-Serie. Und wie wir aus Shining wissen, eignen sich eingeschneite große Bauten gut für eine Mystery-Stimmung. Was gibt es für spannende Orte in Österreich die sich dafür eignen? Kraftwerke, fallen mir spontan ein. Zum Beispiel in Kärnten, denn aus Kärnten stammt der Produzent der Folge. Was soll jetzt eine junge, zierliche Frau im Winter in einem eingeschneiten Kraftwerk? Sie könnte nach etwas suchen… nach Gletscherflöhen. Dafür braucht man offenbar einen Eisbohrer. Und das kommt nicht ungelegen. Ein schweres Eisenteil mit scharfen Kannten ist doch mindestens so gefährlich wie Johnnys Axt. (Vgl. Kurbrik) Das der Bohrer dann auch im Gletscher eingesetzt wird bringt eine schöne Aussenaufnahme und die Zerstörung eines Kontrollraums ist eine gelungene und nicht weit hergeholte Idee.
Es gibt also ein Paar Gründe die für den Bohrer im kärntner Kraftwerk sprechen. Doch wie geht es jetzt weiter mit dem Eisbohrer? Wo kommt er her? Wann muss er wo hin?
Fix ist das der Film Anfang 2006 im Fernsehen laufen soll. Gedreht muss folglich im Winter 2004/2005 werden. Doch die Suche nach dem geeigneten Drehort ist keine leichte. In Kärnten ist Schnee diesen Winter Mangelware. Es wird gewartet und gewartet, die Drehzeitraum wird einige Male zurück verschoben bis dann entschieden wurde ins Ausland auszuweichen. Zwischen Frankreich und der Schweiz einigte man sich auf ein Kraftwerk am Grimselpass in der Schweiz. Die Zeit war schon sehr knapp, es war schon März. Das hieß nicht, dass man wusste wo genau die Bohrung stattfindet geschweige denn, dass es schon einen zerstörbaren Kontrollraum gab. Es war einzig das einzige eingeschneite bespielbare Kraftwerk. Und es war wirklich eingeschneit. Auf der Passstraße zur Staumauer lagen gut 10m Schnee. Der Drehort war nur über zwei Seilbahnen und hunderte Stufen erreichbar.
Hier oben wurde nun, in den alten Baracken der Bauarbeiter die den Staudamm gebaut hatten unter anderem ein Kontrollraum gebaut. Für den Gletscherdrehort entschied man sich für den Oberargletscher der dann mit einer 3. Seilbahn erreichbar war.
Die Ausstattung wusste jetzt wo der Bohrer hin musste. Doch wie schaut so ein Bohrer überhaupt aus? Was ist das eigentlich? Wo bekommt man so etwas her? Das ist eine der vielen Aufgaben die, die Aussenrequisite zu bewältigen hat.
Wie sich herausstellte war ein Eisbohrer der Proben entnehmen kann ein großes Gerät, das niemals von einer zierlichen Forscherin in einem Rucksack mit sich herumgeführt werden konnte. Doch die Regie hatte mit dem auch in der Schweiz eintreffenden Frühling ärgere Probleme. “Es wird schon gehen,” war die Devise. Nach dem die Aussenrequisiteurin das Kunststück vollbrachte tatsächlich von einer Universität einen Eisbohrer zu leihen, den wir auch verwenden durften, wurde die Regie von einer 2m langen, schweren Holzkiste zurück in die Realität des Eisbohrens geworfen.
Die Ansprüche wurden schnell zurück geschraubt und es wurde nur noch irgend ein handliches Ding mit dem man Bohrproben entnehmen kann gewünscht. In Mac-Gyver-Manier wurde mit Hilfe Schweizer Handwerkskunst aus einem Akkubohrer, der normal die Löcher für Slalomtoore bohrt, und einem Auspuffrohr,ein Eisbohrer der in jede Handtasche passt gebastelt.
Ich hab noch immer nicht verstanden, was genau ein Akteur-Netzwerk ist. Die Zusammen hänge eines Akteurs. Falls sich irgendwer gefragt hat, ob ein Eisbohrer tatsächlich so ausschaut, war er dann wohl ein Akteur, und das was ich da oben gezeichnet habe, könnte soetwas ähnliches wie ein Akteur-Netwerk sein. So ganz ist das Experiment noch nicht geglückt. Hier habe ich nur die Fäden zu unserem Potentiellen Akteur verfolgt. Doch wie wirkt er auf die Analyse? Was beeinflusst Filmsoziologen? Es wird Zeit die Seite anzuschauen.
Der Weg der Requisite auf den richtigen Platz
Wenn man eine Requisite in einem Film sieht macht man sich meistens keine Gedanken warum diese Requisite gerade da ist. In der Filmanalyse wird ihr aber oft sehr viel Wert gegeben. Bei den Mutmaßungen über Requisiten haben mir sich einige male die Haare aufgestellt. Für mich war es klar warum was gerade wie war. Ich konnte den Weg der Requisite rekonstruieren. Ich will mich in meiner Arbeit wissenschaftlich mit Requisiten im Film und deren Wirken auseinandersetzen. Dafür will ich zu erst erforschen was Requisiten so wirken lässt wie sie wirken. Als Einstimmung darauf spiele ich die Wege von Requisiten die ich erlebt habe durch. Ich hatte mit Requisiten als Drehbuchautor, Produzent, Ausstatter, Innenrequisiteur und Aufnahmeleiter zu tun. Ich halte es hier recht allgemein.
Requisiten ist ein Begriff, der beim Film alle bewegbaren Gegenstände bezeichne. Requisiten beeinflussen. Sie beeinflussen den Schauspieler, die Kamerafrau und den Cutter, oder direkt den Zuseher. Wie dieser Weg weiter geht soll uns hier nicht interesieren. Hier gehen wir der Frage nach, was das Requisit denn Beeinflussen macht. Der Punkt den wir als Ausgangspunkt nehmen ist, dass ein Requisit irgendwo im Motiv steht. Also noch bevor die Kamerafrau durch den Sucher schaut.
Die Innenrequisiteurin, ist die Person die zu der Zeit die Verantwortung für die Requisiten hat. Sie hat die Requisiten entweder schon im Motiv vorgefunden oder sie aus ihrem Lager geholt und auf den richtigen Platz gestellt. Den richtigen Platz erfährt sie entweder vom Regieassistenten, der Kamerafrau oder sie entnimmt sie dem Drehbuch. Oft entscheidet sie auch wie sie es gerade am schönsten findet. Und Regieassistent, Kamerafrau und Drehbuch haben wichtigeres zu tun. Wir können jetzt in zwei Richtungen weiter forschen. Wie kommt die Requisite ins Lager oder ins Motiv und woher wissen die anderen Was der richtige Platz ist. Zuerst möchte ich nochmal den Weg den wir bis jetzt rekonstruiert haben wiederholen. Innenrequisiteurin — Regieassistent/Kamerafrau/Drehbuch — Platz. Mir fällt gerade ein, dass auch die Continuity den Platz der Requisiten bestimmt, bzw. der Platz auf dem die Requisite schon einmal stand. So bleiben wir erstmals nah an der Requisite.
Wie kommt die Requisite ins Motiv? Die Verantwortung für das Motiv hat direkt die Szenenbildnerin. Sie holt die Requisiten auch aus dem Lager und den Platz bestimmt sie meist zusammen mit der Regie Der Weg der Requisiten ins Lager ist wieder ein eigener. Zuständig dafür ist der Aussenrequisiteur. Er besorgt die Requisiten. Hier kommen zu den bekannten Faktoren die Produktion dazu. Sie bestimmt was die Requisiten kosten dürfen und wenn es Sponsoring gibt welche Requisiten es genau sein werden. Dann kommt die Verfügbarkeit und die Robustheit ins Spiel.
Der Reihe nach. Die Szenenbildnerin wünscht sich eine bestimmte Requisite und der Aussenrequisiteur macht sich auf die Suche. Doch eine Requisite kostet. Natürlich ist es nicht gleichgültig wie viel. Ich werde in einem anderen Artikel die Geschichte vom Eisbohrer erzählen. Dann wird gesucht, und nicht selten muss improvisiert werden, weil die Umstände, also das Budget oder die Verfügbarkeit nicht mit dem übereinstimmt, was sich die Szenenbildnerin wünscht. Womöglich kommt auch von der Produktion Ansprüche die zu Erfüllen sind. Es darf zum Beispiel keine Marke sichtbar sein, oder es muss eine bestimmte Marke sichtbar sein, oder es müssen verschiedene Sicherheitsmaßnahmen beachtet werden. Deswegen gibt es für manche Requisiten, wie zum Beispiel Waffen einen Spezialisten.
Warum wünscht sich die Szenenbildnerin eine gewisse Requisite? Sie hat das Drehbuch gelesen, mit der Regiesseurin, der Kamerafrau und dem Kostümbildner über den Film gesprochen und fängt an sich Gedanken zu machen. Sie geht auf Motivsuche, findet dies und das und entwickelt Ideen. Sie bekommt einen finanziellen Rahmen und muss sich ihr Budget einteilen. Daraus entwickeln sich Ideen für Requisiten.
Die Enden dieser Aufzählungen sind einerseits die Drehbuchautorin, die finanziellen Mittel und Filmtheorie.
Die Frage des Platz. Was bestimmt den richtigen Platz? Den richtigen Platz den man von der Continuity erfährt ergibt sich relativ leicht. In der Szene davor im Film hatte der Schauspieler die Waffe in der Linken Hand oder der Polster lag in der letzten Einstellung auf dem Sofa. (Vgl. American Beauty) Woher weiß jedoch die Kamerafrau was der richtige Platz ist. Die Kamera hat die Verantwortung für die schönen Bilder. Hier sind es meist Bild-ästhetische Gründe die die Requisite genau dort stehen haben wollen. (Ich weiß, ich mach’s mir gerade einfach.) Auch noch Auskunft über den Platz bekommt man als Innenrequisiteurin von der Regie. Woher weiß die Regie was der richtige Platz ist? Wo ich bei der Kamerafrau nach leicht mit einer Abkürzung davon gekommen wird, wird das bei der Regie schon schwieriger. Aber da ich gerade bei Abkürzungen bin, sage ich einfach die Regie bekommt anhand dem Drehbuch Ideen. Probiert Sachen aus, sieht was funktioniert und bekommt ein Gefühl für die Szene. Und in diesem Gefühl stehen die Requisiten halt mal da. Bei der Szenenbildnerin ist es irgendetwas zwischen Kamera und Regie. Sie will der Kamera schöne Bilder ermöglichen und dem Schauspieler eine Welt bauen.
Das war jetzt viel Gefasel. Wer bestimmt jetzt den Platz. Wir haben das Drehbuch, das manche Dinge vorgibt. Das Drehbuch schafft auch die Basis für die Welten die in den Köpfen von Regie, Szenenbild und Kamera entstehen. Dann die Ästhetik, Regeln die meist durch eine Ausbildung, Erfahrung und “gelernt” wurden. Dann einen Bereich den ich hier “Praxis” nenne. Die Erfahrung was beim Film funktioniert, wie sich angenommene Schauspieler verhalten.
Also die Punkte für den Platz, wo ich fürs erste mal stehen bleiben will ist die Drehbuchautorin, die Filmtheorie vielleicht auch noch die verfügbare Technik. (in besonderen Fällen, wenn z.B. eine Kranfahrt neue Blickwinkel freigibt oder die Kulisse nicht stabil genug gebaut ist etwas zu tragen)
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass das Drehbuch, die finanziellen Mittel und die Filmtheorie die Ausgangspunkte für bestimmte Requisiten auf einem bestimmten Platz sind. Das ist jetzt hier alles eher als schnelle Skizze zu verstehen der noch genauer nachgegangen werden muss. Denn wie schaut es mit Erfahrung und persönlichen Vorlieben bestimmter Akteure aus? Auch das Drehbuch werde ich mir noch genauer anschauen.
Auffallend ist für mich, dass die typischen, auf der “Produzentenseite” gemeinten Akteure, Regisseur und Produzent, bis jetzt einen sehr geringen Einfluss haben. (Dabei darf man nicht vergessen, dass sie natürlich die Gesamtverantwortlung tragen.)
Ferne Nähe
Immer dann, wenn sich die Soziologie dem Film zuwendet orte ich eine ferne Nähe. Ich habe über zehn Jahre das Filme machen studiert, Bücher gelesen, und mich selber am Filmemachen probiert, bis ich über Umwege angefangen habe Soziologie zu studieren. Wie, glaub ich, David Mamet schreibt, ist das besondere am Film, das Handeln. In Büchern gibt es innere Monologe, man bekommt die Gedanken des Protagonisten mit, im Theater passiert das meiste über den Dialog, und im Film über Aktion. (Vgl. Mamet, Die Kunst der Filmregie, irgendwo am Anfang)
Die Arbeit, das Schauen, von Soziologinnen und, sagen wir einmal “Filmemacherinnen”, ähnelt sich sehr. Doch wenn dieses schwammige Soziologische, sich, an das höchst technische Filmemachen heranmacht wurde es für mich komisch. Es stellte sich bei mir ein Gefühl ein, wie es Bruno Latour am Beispiel der Sience Studies beschreibt. Die Soziologie stoßt an etwas, das härter ist als sie selbst. (Vgl. Latour, Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft, S 161 ff.)
Ob das jetzt die Grenzen der klassischen Soziologie aufzeigt, wie Latour meint, weiß ich nicht. Dafür habe ich die ganze Sache noch nicht “richtig” genug verstanden. Aber es ist für mich eine unbefriedigende Situation, ich fühle (und bei dem was ich bis jetzt in meinem Soziologiestudium mitgenommen habe ist das eine der stabilsten Faktoren) das Filmsoziologie was spannendes sein kann, etwas was Max Hallers Frage:”Was will Filmsoziologie eigentlich?” (Wurde aus dem Publikum bei der Filmsoziologietagung 2011 in Graz gestellt und nicht beantwortet) beantworten kann. Bis jetzt bin ich von der Filmsoziologie aber noch zu weit weg, deswegen widme ich mich einer anderen Frage die bei der selben Tagung gestellt wurde, nämlich der wer den eigentlich die Verantwortung für die gerade diskutierten Requisiten hat. (So oder so ähnlich von Dieter Reicher) Diesen Job hab ich lang genug gemacht um eine kleine Einführung in unser “Flatland” zu geben, bevor wir wieder in die dritte Dimension der Soziologen abheben. (Vgl. Latour, S. 286 ff.; Abbott, Flatland)
Labohr eingerichtet
Schrecklich. Eigentlich wollte ich nur mein gerade eingerichtetes Labor umbenennen. Jetzt ist mein Username weg und ich heiße Labohr. Ich heiß jetzt so, ohne das irgendwer das wollte. Natürlich, ich wollte den Blog so benennen, einen Witz machen, dem Leser, oder seinem Unterbewusstsein, Arbeit ersparen. (Vgl.Freud, 1986) Doch es geht um den Raum in dem ich mit Worten experimentiere, nicht um mich.
Das Labohr habe ich mir für eine Arbeit über das Verhältnis des Filmemachens und der soziologischen Berichte, die sich mit dem Filmemachen auseinandersetzen. Beziehungsweise das Auseinandersetzen geht mir in vielen Berichten über das Filmemachen ab. Deswegen will ich hier aus einander setzen. Inspiriert von Bruno Latour, der meint auch soziologische Texte müssen explodieren (dürfen), schaffe ich hier einen Raum um es krachen zu lassen. (Vgl. Latour, 2010)
Was genau hier alles passiert weiß ich noch nicht, soziologische Experimente. Die erste Versuchsreihe beschäftigt sich mit der der Rolle von Requisiten in der soziologischen Filmanalyse. Der Bericht über diese Versuchsreihe wird meine erste Bachelorarbeit.




